Startseite  »  Rückblick  »  11. und 12. November 2003

"Wo Metalle sich erinnern..."

Am 11. November war das Audimax der Ruhr-Universität die größte Grundschule des Ruhrgebiets: 900 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren waren der Einladung der vier Bochumer Hochschulen gefolgt und kamen zur ersten KinderUni Bochum. Günter Kastenfrosch, die tollpatschige Figur aus dem "Tigerenten Club" war auch da und unterstützte die Präsentatoren bei ihren Vorführungen und Moderator Dietrich Willier vom Tigerenten Club. Die vier Bochumer Hochschulen arbeiten eng mit der ARD-Sendung zusammen.

"Wissen macht Spaß" hieß es in Bochum wie bei so manch anderer Kinder-Uni, bei denen die Tigerente in diesem Jahr mitmacht. Wie viel Spaß zum Beispiel Physik bereiten kann, zeigte Prof. Andreas Wieck von der Ruhr-Uni anschaulich in Experimenten mit Wasser und brennenden Kerzen: Er erklärte, warum der Regen ausgerechnet in Tropfen fällt und warum die Flamme atmen muss. Prof. Klaus Krause (FH Bochum) ging dem Magnetismus auf den Grund und ließ mit zwei sich abstoßenden Magneten als Katapult die Tigerente aus Holz durchs Audimax fliegen. Und im Wettbewerb Mensch gegen Maschine unterlagen die Kinder knapp gegen die Haribo-Trennmaschine der Technischen Fachhochschule, als es darum ging, Goldbären von Lakritzschnecken und anderen Süßigkeiten zu unterscheiden und sie zu sortieren. Schließlich kamen noch die beiden Assistenten von Prof. Dr. Dr. Riechhard Hörgut (der "Professor" der Evangelischen Fachhochschule war leider verhindert) und zeigten den Kindern spielerisch, wie gut sie ohne Augen sehen können - auch wenn das kritische Publikum dies zunächst nicht glauben wollte.

"Ich sehe was, was du nicht hörst, und das schmeckt lecker" war dann auch das Motto an einem Stand der Evangelischen FH: Ohne Augen sehen und erleben mit allen Sinnen. Insgesamt 17 Exponate zum Anfassen, Mitmachen und Staunen standen im Foyer des Audimax. Das "Anfassen" wurde manchmal etwas zu wörtlich genommen: "Unser Exponat kommt so gut an, dass wir überlegen, wie wir den Stand noch besser abschirmen können, weil die Kinder ständig unsere Loks anfassen wollen", sagt Andreas Koch (FH) an der Eisenbahn, die über das Internet gesteuert wird. Doch Neugierde und Experimentierfreude waren durchaus gefragt, zum Beispiel am Stand von Prof. Ulf Eysel (RUB) mit verblüffenden optischen Täuschungen, über die selbst Erwachsene Bauklötze staunten, weil das Gehirn mehr sieht als die Augen. Das Interesse war - wie an anderen Ständen - sehr hoch. "Wenige Kinder kommen, um einfach nur zu spielen", sagt Sigrun Breustedt (Technische FH), die an ihrem Stand Vogelsand chemisch analysierte und in seine Bestandteile zerlegte. "Die Kinder fragen mir Löcher in den Bauch, wollen alles wissen und auch möglichst viel selbst ausprobieren."

Der Enthusiasmus wurde bei manchen Wissenschaftlern erst während der Veranstaltung geweckt: "Heute morgen dachte ich noch wir sollten uns lieber auf die Oberstufe als Zielgruppe konzentrieren", gesteht Prof. Eysel, "aber ich glaube, dass dies ein sehr guter Ansatz ist, weil das Interesse an Wissenschaft und spannenden Dingen natürlich im Kindesalter geweckt wird." Das sieht auch Prof. Wieck so: "Wir sind zwar keine Bühnenprofis, aber ich glaube, die Kinder amüsieren sich und lernen etwas dabei. Die Zielgruppe Kinder ist sehr geeignet für eine solche Veranstaltung - wir müssen da ansetzen, wo die Menschen anfangen, Fragen zu stellen und zu lernen."

Dazu seien die "heiligen Hallen der Hochschule" bestens geeignet, meint Prof. Reiner Dudziak, Rektor der FH Bochum, der von der ersten KinderUni Bochum ebenso begeistert ist wie der Rektor der Ruhr-Universität, Prof. Gerhard Wagner: "Es hat mir Spaß gemacht, die vielen Kinder zu sehen, wie neugierig sie sind, was sie sich alles anschauen und wie sie bei den Versuchen richtig mitgegangen sind", so Dudziak, "also, das ist eine runde Sache." Wiederholung erwünscht? "Aus dem Bauch heraus: ja", sagt Dudziak, "wir haben so eine tolle Resonanz - ich denke, wir sollten diesen Weg weitergehen.