Startseite  »  Rückblick  »  16. und 17. November 2005

"Einfach cool"

"Ich dachte wir sind hier an einer richtigen Uni mit grauhaarigen Professoren und schlauen Studenten, aber hier sind ja lauter Kinder", sagt Moderator Dietrich Willier (SWR) zu seinem Begleiter Günter Kastenfrosch aus dem "Tigerentenclub". Aus den Rängen des Audimax schallt ihm die Antowrt 900fach entgegen: Es ist KinderUni in Bochum. Nach dem erfolgreichen Start findet diese nun zum zweiten Mal statt, gemeinsam organisiert von den vier Bochumer Hochschulen. 900 Grundschüler aus dem Ruhrgebiet haben für einen Tag einen Studentenausweis bekommen. Am Ende des ersten tages waren sie so begeistert, dass sie nach einer "Zugabe" verlangten.

Büroklammern ja, Gummibärchen nein

Bei den Vorlesungen im Audimax fühlen sich die Grundschüler wie richtige Studenten. "Guten Tag liebe Studentinnen und Studenten", begrüßt Prof. Bernd vom Berg (TFH Bochum) seine jungen Zuhörer. Er erklärt, wie ein Roboterarm funktioniert. Dazu hat er den "W3-Wunsch" mitgebracht, einen begeisterten Ballspieler. Zwei Kinder dürfen sogar dem "Gehirn" des Roboters helfen, indem sie den Roboter gekonnt via Mausklick steuern.

Prof. Klaus Krause und Jörg Steiner (FH Bochum) erklären den Magnetismus. Welche Materialien lassen sich überhaupt von einem Magneten anziehen: Büroklammern ja, Gummibärchen nicht.

Ihren Eltern Einsteins Relativitätstheorie erklären können die "jungen Studenten" nun auch. Kindgerecht aufbereitet hat das Thema Prof. Wieck (RUB). "Der Raum ist krumm" lautet der Titel seines Vortrages und die 9-jährige Antonia aus Hattingen schreibt fleißig mit.

"Super Studenten"

"Kinder können in die Uni reinschnuppern und sehen etwas, was sie in der Schule nicht sehen, was wir ihnen nicht beibringen können": Diese Erwartungen hat eine Lehrering der Antonius-Grundschule in Essen. Im Foyer des Audimax gab es dann auch viel zum ausprobieren. Das Schülerlabor ist mit drei Ständen vertreten: An einem kann man Mathematik begreifen, an einem anderen Strom aus Wind erzeugen und am dritten Sniffy, der virtuellen Ratte etwas beibringen. Biopsychologen erklären hier, wie das Lernen von Tieren in Versuchen funktioniert. Tobias Ohmann betreut den Stand mit und ist begeistert: "Kinder sind super Studenten. Sie sind generell sehr interessiert, neugierig und lernen schnell."

Auch der Maschinenbauingenieur Anwar Abu-Zarifa ist überrascht über das Interesse der Kinder. "Sie lieben Technik", sagt er und zeigt den Kindern an Büroklammern, wie eine Formgedächtnislegierung funktioniert.

Umlagert von Kindern

"Schön!" "Kalt!" "Kann ich auch mal?" Friedrich Scheidt erklärt "Chemie im Weltraum" und die Kinder sind begeistert. Sein Stand ist immer umlagert. "Für Kinder zählt der Effekt, den man sehen kann.", sagt Thomas Schulz aus Hagen. Er begleitet die Klasse seines Sohnes und findet es toll, dass die Kinder wirklich mitmachen und ausprobieren dürfen.

Doch nicht nur Technik und Naturwissenschaften sind bei der KinderUni vertreten. Die Evangelische Fachhochschule zeigt, wie unterschiedlich Familien sein können, dass jeder Mensch einzigartig ist und wie man die Welt mit allen seinen Sinnen erfahren kann. Im Großen Saal des Audimax begeistert Prof. José Posada (EFH Bochum) mit Musik und Bewegung.

Nicht zu glauben

"Was kann ich für Sie tun?" Per Knopfdruck ordern die Kinder Fanta, Cola oder Milch. Der Robot-Ober nimmt einen Becher, gießt das gewünschte Getränk ein und reicht es den Kindern. Fabian von der Oberbergschule Hagen ist erstaunt: "Der Getränke-Roboter kann Sachen machen, die man eigentlich gar nicht glaubt."

Eine Schülerin aus Bochum denkt, dass an der Universität Studenten sind, die zum Beispiel Roboter bauen. "Wir gucken, was die Studenten machen." Und am Ende des Tages sind sich alle einig, dass das interessant, toll und "einfach cool" ist.

Annika Rolf